Nico

 

Ein treuer Begleiter ist gegangen

 

Als wir Nico, damals fünf Jahre, zu uns geholt haben, haben wir uns diese Entscheidung sehr gut überlegt. Das Alter hat dabei eine große Rolle gespielt, denn „jung“ konnte man uns wohl kaum noch bezeichnen.

Die Vorteile jedoch sind klar auf der Hand gelegen: Wir haben einem Hund aus dem Tierheim ein neues Zuhause gegeben, Nico würde uns nicht nur ein angenehmer Begleiter sein, sondern er würde uns, ganz gleich bei welchem Wetter und zu welchem Zeitpunkt, eine „sportliche“ Komponente bieten die uns aus unserem Alltag lösen und in eine Erholungsphase bringen konnte und auch hat.

 

Es gab so gut wie keine Anfangsschwierigkeiten was Nicos Wesen betroffen hat. Ein Hund, der zum einen sehr gut erzogen war, zum anderen aber für Mann, Frau, Kinder gleichermaßen ein freundliches Wesen geboten hat; dabei hat es eine kleine Einschränkung gegeben. Ich habe immer behauptet, dass er ein wenig ein „autistisches Verhalten“ gehabt hat welches aber zu keinem Zeitpunkt jemals Anlass zur Besorgnis gegeben hätte. Wurde Nico umarmt, konnte man einen gewissen Widerstand spüren, der sich gegen die Umarmung gerichtet hat. Aus diesem Grund haben wir unseren Besuchern einen Hinweis gegeben, sodass er sich auch nicht bedrängt fühlen konnte. Insgeheim jedoch haben wir das Umarmen ein wenig „trainiert“, und siehe da, auch wenn es Monate gedauert hat, wurde er beim Umarmen „geschmeidiger“. Er hatte Vertrauen gefasst, und wir gaben uns mit seinem Entgegenkommen einfach zufrieden: es machte uns auch glücklich. Immerhin war das ein enormer Erfolg, den man, so glauben wir, nicht so leicht verzeichnen kann.

 

Gegenüber seiner eigenen Spezies war er immer sehr freundlich, lediglich zum Ende seines Lebens, mochte er es nicht, wenn seine Freunde beim Balgen zu wild waren. Eine Information an die anderen Hundebesitzer reichte zumeist aus.

 

Nico war leider nicht ganz gesund. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir für ihn die richtige Ernährung gefunden haben. Leider konnte er weder Leckerbissen, noch Fleischspeisen konsumieren, es war ihm nicht gegönnt auch nur irgendeine Abwechslung in seinem Futterplan zu bekommen. Es musste das Futter vom Tierarzt nach vielen, vielen Versuchen und noch mehr Laboruntersuchungen, etc., akzeptiert werden, das lediglich, und auch das nur sehr begrenzt, mit einer kleinsten Mengen geschabten Apfel, Karotten, also ausgesuchtem Obst oder Gemüse bereichert werden konnte. Oft hat er zu seiner Kameradin, unserer Katze Emely, geschielt, wenn diese ihre gut riechenden Mahlzeiten bekommen hat. Ebenso oft hat es uns das Herz schwer gemacht und wir hoffen, dass unsere Liebkosungen und Trost, den wir ihm gegeben haben, auch Früchte getragen haben.

 

Nicos Spaziergänge mit uns waren stets mit Beißkorb, nicht nur für unser Bewusstsein dass so kaum „etwas“ mit anderen Hunden oder Menschen passieren konnte, sondern viel mehr von der Sorge geprägt, dass er unterwegs möglicherweise Nahrung aufnehmen hätte können, was ihm schon bei kleinsten Leckerlis, die ihm ungeübte Tierbesitzer ohne zu fragen zugesteckt haben, einige Tage Krankheit beschert haben – und uns auch die nicht immer billigen Kosten beim Tierarzt.

 

Es hat jedoch für ihn nicht nur diese Seite gegeben, sondern viel mehr, wenn wir spazieren gegangen sind, konnte er sich dafür aber zumeist wirklich frei bewegen. Er hat eine unglaubliche Gehorsamkeit gehabt, die uns jedes Mal aufs Neue überrascht hat. Sein Vorbesitzer hat hier schon sehr gute Arbeit geleistet. Unser Nico ist überall gut angekommen, stets ob seiner sanften Eigenschaften gelobt worden. Wir haben ihm diese Zuwendung unserer Mitmenschen gerne überlassen!

 

Was das Spielen betroffen hat, so haben wir ihm wirklich mit viel Freude sein „Steckchen“ geworfen, das für ihn auch nicht gefährlich werden konnte. Spätestens ab dem Zeitpunkt, als M. Rütter das bunte Wurfspielzeug im Fernsehen vorgestellt hat, hatte er einige, und davon eine kleine Anzahl in einem Bach oder See versenkt!

 

Steckchen holen war für ihn Sport, reinstes Lebenselixier und man musste oft genug aufpassen, dass er nicht zu sehr außer Atem gekommen ist, er hätte so lange gespielt, bis es zuviel geworden wäre. Wenn er die ersten drei, vier Jahre, einer Frisbee Scheibe nachgejagt ist, konnte er Sprünge vollführen, die Zirkus reif gewesen sind, sein Übergewicht das er ursprünglich hatte, war im Nu wie weggeblasen.

In den Sommermonaten hat er es geliebt zu schwimmen. Wenn wir gemeinsam im Wasser gewesen sind, hat er instinktiv gewusst, dass er ein wenig Abstand halten muss. Hatten wir vom Wasser genug, so musste der Hundeball her, dem er förmlich in die Gewässer nach geflogen ist und unermüdlich gebracht hat.

 

Es war uns immer und bei jedem Tier, mit dem wir Zeit verbringen durften ein Bedürfnis, unsere Urlaube, ganz gleich ob in Österreich, Italien oder der Schweiz, mit unseren Vierbeinern zu verbringen. Ohne unsere Kameraden konnten wir uns einen echten Urlaub nicht vorstellen. So sind auch natürlich Nico und Emely unsere Katze, immer dabei gewesen. Nicos Feudalerlebnis – unseres übrigens auch – war das erste Mal gemeinsam am Meer.

Noch nie haben wir solche Laute bei einem Hund vernommen und man mag darüber denken wie man will, als wir diese Laute gehört haben, sind uns beiden die Tränen gekommen. Es war die schiere Freude und Bewunderung für das, was er gesehen hat, und von unserer Seite war es eine Begebenheit, die wir mit einem Tier niemals in dieser besonderen Form erlebt haben.

Obwohl unser Freund erst, wie eingangs erwähnt, mit fünf Jahren zu uns gekommen ist, hat er unserem Leben die siebeneinhalb Jahre, die wir miteinander verbringen konnten, soviel Freude geschenkt, als hätte er das Alter seiner beiden Vorgänger erreicht (die wir ebenfalls immer noch vermissen).

 

Abends, wenn wir uns zu Bett begeben haben, hat es immer das gleiche Ritual gegeben. Er ist auf seinem Platz gesessen und hat jede Bewegung die wir gemacht haben beobachtet. Erst wenn wir zu seinem Platz gekommen sind, hat er sich hingelegt. Unser tägliches „Gute Nacht Sagen“ hat bewirkt, dass er seine Augen geschlossen hat und dann, ganz gleich, ob wir nochmals ins Zimmer gekommen sind oder jemand an der Türe geläutet hat: Einmal die Augen geschlossen, hat er geschlafen.

 

Als er am 30.10. seinen letzten Spaziergang gemacht hat, schien soweit alles in Ordnung. Doch ganz plötzlich konnte er nicht mehr gehen. Der Besuch bei der Tierärztin und die Spritzen die er bekommen hat, haben den Anschein gehabt, als würde es sich um eine Bandscheibenproblematik handeln.

Abends bis spät in die Nacht waren wir jedoch damit beschäftigt, irgendwoher nochmals Hilfe für ihn zu bekommen. Er schien wie gelähmt und konnte auch seinen Kopf nicht mehr koordiniert bewegen.

Am nächsten Morgen schließlich, in der Ordination, wurden wir mit der harten Tatsache konfrontiert, dass eine Hilfe nicht mehr möglich ist. Die Tierärztin konnte uns nur mehr den Rat geben, ihn nicht leiden zu lassen. Eine Raumforderung im Kopf hat sein Schicksal besiegelt.

 

Nico war nur siebeneinhalb Jahre in unserem Leben. Er war Begleiter, Freund, Animateur und Seelsorger. Seine Ausgelassenheit und Lebensfreude hat sich auf Viele von uns übertragen, selbst auf  unsere Katze Emely die Einzelgängerin ist und mit ihrer Ignoranz ihm gegenüber, lange Zeit den Eindruck erweckt hat, als würde sie den Ton angeben. Für sie ist er von seiner Futterschüssel zur Seite gegangen und hat sie kosten lassen – mehr wollte sie nicht. Die letzten drei, vier Jahre, ist sie vor der Türe gestanden und hat uns erwartet, wenn wir mit ihm vom Spaziergang zurückgekehrt sind um ihn neckend kleine Stupser zu verpassen, die einen kleinen, fröhlichen Wettlauf zur Folge hatten. Sie sind gemeinsam auf seinem gemütlichen Platz gelegen oder wie ein altes Ehepaar auf der Terrasse, um einen Sonnentag zu genießen…

 

Nicht nur wir sind traurig über seine letzte Reise ohne Wiederkehr, sondern diese kleine Katze hat ihn tagelang gesucht. Sie ist gut zwei Wochen lang jedes Mal irritiert von uns zur Wohnungstüre gelaufen und hat gerufen, in ihrer Sprache, mit ihrer Möglichkeit, und hat ihren Schmerz gezeigt.

Für Nico wird es genauso wenig „Ersatz“ geben, wie für seine Vorgänger. Er war einzigartig, besonders, wie alle besonderen Hausgenossen! Sie sind Familienmitglieder, die bedingungslos ihre Zuneigung schenken, ohne Hintergedanken, ohne sich etwas zu erwarten; er, wie die meisten Begleiter von uns Menschen, hat seine Liebe mit den einfachsten Mitteln und einfachsten, spaßigen oder auch etwas ernsteren Launen verschenkt, und war glücklich, dass er s e i n konnte…

 

© Isabella Bernardo , Wien

alle Rechte vorbehalten.

 

Aktuelles

 

 

 

Feedback

Links

Impressum