Nebel

Wenn der Nebel über die Felder zieht und die Stille zu laut wird

ziehen die Gedanken schneller, und auch der Schritt.

Wenn der Atem den Herzschlag bestimmt und der Herzschlag den Atem

ist der Einklang des natürlichen Seins nur mehr Eins.

Wenn die Hoffnung sich auflöst in der Stimmung der Welt

und die Menschen in einzelne Gruppierungen zersplittern,

wenn Meinungen dem gesellschaftlichen Druck

weichen und die Seele dabei ganz klein wird,

dann stimmt nichts mehr was wir mit großen Worten

beschworen haben: weil wir dachten, dass wir gut seien.

Der Egoismus des Überlebens lässt uns handeln zum Ich, ich, ich.

 

Komm lieber Baum, lass mich dich betrachten!

Wie ehrlich stehst du da!

Du hast nichts im Sinn als zu wachsen, zum Licht zu streben!

Der große Fels zu deinen Füßen hat dich nur ganz sacht berührt -

und dennoch ist es ein Felsen, breit und schwer.

Die Höhle neben deinen Wurzeln lässt das Leben zu

durch ihre Wärme für den Fuchs, oder den Dachs?

Der Wind lässt Blätter fallen und das Laub raschelt weil

der Vogel aufgeflogen ist, kaum erkennbar durch den grauen Dunst.

Meine Füße tragen mich weg vom Dorf und seinen Häusern

mit den Fenstern die in der Dunkelheit, heute nicht so weit,

ein wenig Licht verbreiten.

Die Sterne sind nicht zu sehen, auch sonst für Viele kaum.

Masken haben wir immer schon getragen, unsichtbar, so manche

Fratze ist dahinter verborgen geblieben,

doch jetzt prägt die Maske uns zur Hilflosigkeit hin.

Die Torheit hat von uns schon so lange Besitz genommen,

mit all ihren Tücken, und plötzlich weint die Welt!

Nicht weil wir sie durch Kriege zerschlagen, und auch nicht,

weil wir diesen Planeten zum Bluten gebracht haben!

Unser Stolz ist angeschlagen, aber nicht zerbrochen!

Eilig, eilig arbeitet die Chemie, das Rennen hat begonnen!

 

So duftet das Leben hier im Walde, so fühlt man das Glück -

doch das liegt entfernt, zurück, oder doch noch in der Zukunft?

Die Chancen sind so zahlreich schon vertan und man

muss die Schuldigen noch finden!

Wer ist nützlich, wer nicht mehr?

Heute spielen wir Gott und morgen gehen wir beten -

doch später werden wir auch vor IHM unsere

Meinung vertreten müssen!

Kein Grund schon jetzt daran zu denken, es liegt ja noch

so weit weg!

Wir manipulieren was nur geht, die Zeit, das Leben;

ist es nicht doch schon zu spät?

Sachte, sachte, Gedanke, halte still, wo führst du mich hin?

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Hortet ihr euer Geld, klagt darüber, was man kann oder nicht,

sprecht mit gespaltener Zunge, denn die Wahrheit sagt ihr nicht!

 

Ich wandere bald zurück zu meinem Heim.

Dort liegt doch, was wichtig ist, was uns bisher bestimmt

auch wenn nicht immer alles gelingt!

Diesen Weg im grauen Nebel kann man ohne Weiteres gehen

wenn man die Augen offenhält!

Man kann alles deutlich sehen.

Den Mut lass ich mir nicht rauben, und auch nicht meinen Glauben!

Das Herz, auch wenn es schon so viele Wunden heilen musste

schlägt und schlägt,

und wenn man das Gute nicht zu Grabe trägt

dann ist da vorne doch das Licht,

das Licht, das wir uns alle wünschen!

Der Eine hält den Docht, der Andere zündet das Feuer an!

Wenn wir es alle hüten, heute, morgen immer

dann wird alles gut!

Lieber Bach, an deiner Seite ist mir wohl,

das Plätschern ist als würde all die Last die ich

noch spürte mit dir fortgetragen!

Der Nebel zieht mit mir heraus aus dem Wald

aufs freie Feld, welches Früchte tragen wird im nächsten Jahr.

Vielleicht gedenken wir dann, wie es dieser Tage war!

 

 

© Isabella Bernardo , Wien 

alle Rechte vorbehalten.

 

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