Zurück zur Erde

Isabella Bernardo

 

Und als der Bettler stürzte

In dieser dunklen Nacht

Da haben ihn die Engel

Zum Herrn hinauf gebracht

Der lächelte gar milde

Und fragte ihn sodann:

Nun, Waldo, was im Leben

Hast du denn so getan?

Der Bettler hatte vieles

Von Arbeit ihm erzählt

Auch was bis zuletzt dann

Ihn sosehr hat gequält:

Die Menschen, Herr –

So sprach er –

Sind unten gar nicht gut

Sie sind so gar nicht ehrlich

Verbreiten oftmals Wut

Sie achten nicht das Leben

Das eigne wohl schon sehr

Sie schenken das der Fremden

Mit Leichtigkeit doch her

Sie halten auch die Tiere

In Ställen, kaum mit Licht

Und füttern mit Chemie sie

Die Tiere vertragen es nicht

Was ich als Liebe kannte

Gibt es schon lange nicht mehr

Was man an Geheimnis hatte

Schenkt heute jeder her!

Auch muss man nicht mehr singen

Die Technik macht das schon

Und was heute noch perfekt ist

Zerplatzt morgen wie ein Luftballon

Die Armen lässt man links liegen

Man sagt dies sei gerecht

Das Leben ist unwürdig

Den meisten geht es schlecht

In dieser lauten Welt

Die Du einst hast geschaffen

Da siegt zumeist das Böse –

Es zählt doch nur noch Geld

Kein Mensch kämpft mehr ums Gute

Als ob man sich geniert

Ich habe es so oft, oh Herr

Ja, tausendfach probiert

Selbst deine Stellvertreter

Die Priester und der Papst

Erkennen wohl erst später

Was Du ihnen einst gabst

Für sie zählt auch die Macht nur

Ganz wenige sind da fair

Sie stellen trotz viel Arbeit

Noch lange kein Gleichgewicht her

Die eignen Brüder lügen

Vergreifen sich am Kind

Und als ich das schließlich hörte

Da wurde ich dann blind

Ich wollte nicht mehr sehen

Was unten in der Welt

Wird noch an Leid geschehen

Wie es um sie bestellt

Ich stehe nun vor Dir oh Herr

Mit leeren Händen da

Was ich Dir jetzt erzähle

Ist einfach, aber wahr

Ich habe viel gebetet

Gerufen oft nach Dir

Doch Deine Ohren waren

Nicht in dieser Zeit bei mir

Ich möchte gar nicht klagen

Du hattest wohl zu tun

Ich bitte Dich nur um das Eine:

Lass mich nun endlich ruhen!

Da wurde es plötzlich dunkel

Die Engel erschraken sehr

Doch Gott sprach zu dem Bettler:

Komm einen Schritt noch her!

Ich weiß Du bist der Richtige

Den ich nach unten schicke

Du hast trotz deiner Blindheit

Das Gute noch im Blicke

Du bist für mich das Auge

Die Hand, die mehr gibt als nimmt

Darum habe ich dich als Gesandten

Des Himmels heut bestimmt!

Geh hinunter auf die Erde

Auf deinen Platz zurück

Die Menschen die Dir begegnen

Haben ungeheures Glück:

Du siehst was sie nicht sehen

Du hörst was niemand will

Dein Herz ist voller Güte

Und das ist für mich das Ziel!

 

Gedichte

 

© Isabella Bernardo , Wien 

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